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Die Geschichte der Hugenotten

Der früheste Beleg für die Bezeichnung Hugenotten steht in einer französischen Handschrift aus dem Jahre 1551. Der Begriff wurde negativ gebraucht. Es war von den Bilderstürmern als „böse Hugenottenrasse“ die Rede. Wie es zu dieser Bezeichnung kam, ist ungeklärt. Möglich wäre die Ableitung aus folgender Episode: Es handelt sich um eine Lokalsage aus Tours. In dieser heißt es, dass sich angeblich nachts in den Straßen der Stadt ein Schreckgespenst herumtrieb, der König Hugo. Um 1550 soll ein katholischer Mönch in seiner Predigt spaßeshalber die Evangelischen, die sich damals nur heimlich in der Nacht versammeln konnten, als kleine Hugos, Hugenotten, bezeichnet haben.


Der Begriff der Hugenotten war lange Zeit eine Fremdbezeichnung. Die Franzosen evangelischer Konfession bezeichneten sich selbst als réformés, Reformierte. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff der Hugenotten zur Selbstbezeichnung. Als Hugenotten im weiteren Sinn werden nicht nur Franzosen, sondern auch die Waldenser aus dem Königreich Savoyen und dem französischen Grenzgebiet, die am Beginn des 18. Jahrhunderts aus dem südfranzösischen Fürstentum Orange ausgewiesenen „Orangeois“ (Reformierte), die wegen ihres reformierten Glaubens geflohenen Wallonen und Pfälzer bezeichnet. Des Weiteren werden auch die Nachfahren der Hugenotten Menschen hugenottischer Abstammung genannt.


Die Hugenotten sind Protestanten, die im Gegensatz zur katholischen und zur lutherischen Kirche Laien in kirchenleitenden Funktionen einsetzen. Es gibt keine kirchliche Hierarchie, sondern eine durch Presbyterien und Synoden geleitete Gemeindekirche. Das Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685 hob in Frankreich die Glaubensfreiheit gegenüber den Hugenotten auf. Die Ausübung des reformierten Glaubens wurde verboten. Die Hugenottenkirchen wurden zerstört. Bekehrungsunwillige Hugenottenprediger mussten das Land verlassen. Die Auswanderung anderer Menschen wurde bei Galeerenstrafe (für Männer) und Gefängnisstrafe (für Frauen) verboten. Dennoch kam es zu Massenauswanderungen. Etwa 160 000-200 000 Hugenotten verließen Frankreich. Das waren zirka 20 % der Hugenotten und fast 1 % der Bevölkerung Frankreichs. Erst ein Jahrhundert später, mit der Französischen Revolution wurden Hugenotten zu anerkannten Staatsbürgern. Ihr Anteil an der bevölkerung betrug zu diesem zeitpunkt nur noch etwa 1,5 %. Bis zur Französischen Revolution wurden viele heimlich reformiert gebliebene Menschen entdeckt und dann eingesperrt, getötet oder auf die Galeere geschickt.


Nach dem Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685 kamen etwa 20 000 Hugenotten nach Brandenburg. Sie siedelten sich hauptsächlich in Berlin (zirka 1/3), Potsdam und der Uckermark an. Das Edikt von Potsdam ermöglichte den ins Land gekommenen Flüchtlingen, den Refugiés, vier Jahre Mietfreiheit und umfangreiche Unterstützung beim Hausbau. Die Emigrantensiedlungen erhielten meist den Rechtsstatus einer Kolonie, das heißt, sie durften sich durch einen eigenen Magistrat selbst verwalten. Heute gedenken reformierte Gemeinden in Berlin und Brandenburg am 29. Oktober alljährlich an das Edikt von Potsdam und somit an ihre hugenottischen Wurzeln.


Im „Pfälzischen Erbfolgekrieg“ (1688–1697) besetzten französische Truppen weite Teile des deutschen Südwestens. Das löste eine Fluchtwelle der französischen Reformierten aus, die dort Zuflucht gefunden hatten. Viele von ihnen kamen auch nach Brandenburg. 1704 flohen Hugenotten aus dem südfranzösischen Fürstentum Orangen nach Brandenburg.

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