Geleitwort des Monats

Januar 2020

Die Worte des Monats geben Halt und informieren Sie über theologische Aspekte. Dieses Mal sind die Worte von Pfarrer Jürgen Kaiser.

Gott ist treu.
1. Korinther 1,9

Wohl der kürzeste Monatsspruch seit langem. Und mehr muss man auch nicht sagen. Mehr muss man von Gott im Grunde nicht wissen. Mit diesem Satz ist eigentlich alles gesagt. Man müsste für diesen Satz nicht einmal eine Bibelstelle angeben. Dass Gott treu ist, steht überall in der Bibel.

Im Deutschen hängen die Wörter „treu“, „trauen“, „vertrauen“ und „Trost“ zusammen. Wer sich als treu erweist, dem kann man trauen und dieses Vertrauen ist tröstlich. Das Wort „treu“ qualifiziert eine Beziehung. Wer treu ist, steht in einer verlässlichen Beziehung zu einem anderen Menschen. Wenn nun von Gott gesagt wird, er sei treu, wird vorausgesetzt, dass er in einer Beziehung steht. Und das ist auch so: Der biblische Gott ist von Anfang an ein Beziehungswesen. Er sucht den Kontakt zu den Menschen, er spricht sie an, er wirbt für sich, er will sie gewinnen, er ist enttäuscht, wenn sie ihm untreu werden, er aber bleibt treu. Dieser Gott will und kann nie für sich allein sein, er mag kein Gott sein, der an sich selber und an seinem Gottsein sein Genügen hat. Das ist kein Gott, dem es reicht, sich in seiner Herrlichkeit zu sonnen. Es ist ein Gott, der aus sich rausgehen muss, der nur zu sich selbst kommt, wenn er in Beziehung zu den Menschen steht, der also ohne die Menschen gar nicht Gott sein kann.

Man kann deshalb die Bibel von vorne bis hinten als eine große Liebesgeschichte lesen. Gott erwählt und liebt und ist treu. Die Erwählten aber sind das nicht immer, sie sind bisweilen lieblos und untreu.

Liebe ist immer konkret. Deshalb wird Gottes Liebesgeschichte in der Bibel als eine Folge von Geschichten mit einzelnen Menschen erzählt: mit Noah und seiner Familie, mit Abraham und seinen Söhnen, mit dem Volk Israel, das von Gott oft wie eine einzelne Person angesehen und angeredet wird, und mit Jesus Christus, seinem Sohn. Gott liebt alle Menschen. Gott ist allen Menschen treu. Aber fassbar und erzählbar wird diese Liebe in der Treue Gottes zu einzelnen Menschen, zu seinem erwählten Volk Israel und in der Erwählung Jesu Christi, in dem alle Menschen als Bundespartner Gottes erwählt sind.

Gott ist treu. Eigentlich ist damit alles gesagt. Und trotzdem verlangt dieser Satz danach, sich in vielen Liebesgeschichten auszuleben, die von Erwählungen und Berufungen, von Versprechen und Verheißungen, von Treueschwüren und manchmal auch von bitteren Enttäuschungen erzählen.

Paulus konnte hinter den drei Wörtern „Gott ist treu“ noch keinen Punkt machen, sondern musste wenigstens kurz daran erinnern, wo sich für uns Christen Gottes Treue festmacht: Gott ist treu, durch den ihr berufen seid in der Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. (1.Kor 1,9)

Quelle: Gemeindebrief Berlin-Mitte, Januar 2020. Jürgen Kaiser.