Geleitwort des Monats

Juni 2020

Die Worte des Monats geben Halt und informieren Sie über theologische Aspekte. Dieses Mal sind die Worte von Pfarrer Malte Koopmann

Die Sache mit dem Herzen

Wenn man „sich etwas zu Herzen nimmt“, kann man damit vieles meinen. Dass man etwas besonders beachtet. Zu einer Einsicht gekommen ist. Reue empfindet. Sich schuldig bekennt, Gewissensbisse hat. Aufmerksamkeit schenkt. Rein medizinisch gesehen ist das natürlich so nicht richtig. Das Herz ist ein nicht ganz unkomplizierter Muskel, der das Blut durch unseren Körper pumpt und darum ein zentrales wichtiges Organ ist. Ohne Blinddarm, ohne Weisheitszahn, notfalls auch ohne linken Fuß kann man weiterleben. Ohne Herz dagegen nicht.

Aber auch medizinisch ist unbestritten: Der Zustand der „Seele“ hat Folgen für den Zustand des Herzens. Das haben Menschen wohl schon immer gemerkt und darum das Herz als den Ort des Menschen gesehen, der das Leben des „Besitzers“ am besten beschreibt. Nur selten tragen wir Menschen unser „Herz auf der Zunge“. „Verschlossen“ sind Herzen nicht nur, damit sie nicht „offenbar“ werden, sondern auch, damit nichts hineinkommt, was sie belasten könnte. Was der Mensch im „Grunde seines Herzens“ denkt oder nicht, weiß er oft genug selbst nicht: „Die Gedanken sind frei“ singt davon. Und in das Herz eines anderen Menschen zu schauen, also zu wissen, was er wirklich denkt oder warum er dieses tut oder etwas anderes lässt: Das würde wohl jeder von uns gern können. Vor allem dann, wenn es um „Freund“ oder „Feind“ geht. Man könnte dann genau wissen, ob der andere es ehrlich meint, wenn er „ich liebe dich“ sagt. Oder wissen, warum einem jemand einen Gefallen tut. Macht der das uneigennützig oder hat der irgendwelche Hintergedanken?

So sehr sich mancher das wünscht: Das Leben ist anders. Ganz anders. Nicht selten steht man vor einem Scherbenhaufen und denkt: Warum habe ich das gemacht? Und immer wird es dabei bleiben, dass niemand von uns, auch die Kardiologen nicht, in den „Herzensgrund“ hineinsehen können. So wird jede Tat, jede Beziehung, das ganze Leben ein Wagnis. Wir werden so nie genau sehen können, was alles geschieht, wenn wir diesen oder jeden Weg für uns wählen. Wer weiß schon genau, wie mit der Bedrohung durch dieses Virus umzugehen ist, das wir heute einfach „Corona“ nennen?

Salomo glaubt: Nichts geschieht ohne Gottes Willen. Also kennt er auch Salomo, selbst den Grund seines Herzens. Und wie Gott Salomo kennt, kennt er uns alle. Das entlastet das Leben: Niemand muss mehr versuchen, „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Auch Jesus hat daran erinnert, als er das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen erzählt (Mt 13, 24ff): Gott weiß, was geschieht. Und er kennt den Sinn, auch wenn wir oft erst Jahrzehnte später begreifen können (manchmal sogar nie), wozu „etwas gut gewesen“ ist.

Darum kann der Mensch jeden seiner Tage annehmen und sie sogar genießen lernen. Auch die weniger schönen. Gott allein kennt alle Herzen (1. Kön 8, 39). Seine Liebe ist uns sicher (Röm 8,39). Das macht unser Leben nicht leicht, aber spannend und damit schön. In diesem Sinne: Eine schöne Sommerzeit!

Quelle: Gemeindebrief Hohenbruch/Brandenburg, Juni-August 2020. Pfarrer Malte Koopmann.