Geleitwort des Monats

Juni 2022

Die Worte des Monats geben Halt und informieren Sie über theologische Aspekte. Dieses Mal sind die Worte von Pfarrerin Meike Waechter.

Heidelberger Katechismus, Frage 1: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?”

... ich (möchte) mich etwas ausführlicher auf den ersten Teil der Antwort zur ersten Frage konzentrieren: „Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.“
Eine Eigenheit des Heidelberger Katechismus ist es, dass er alle Antworten mit Bibelstellen belegt und so seine Aussagen bestätigt, in denen sich diese Antworten wieder finden.
Bei dieser ersten Antwort wird auf Röm 14,8; 1. Kor 6,19 und 1. Kor 3,23 verwiesen.
Bevor ich die drei Vers nachlese, überlege ich selber, welche Bibelstellen mir zu dieser Aussage einfallen und was es bedeuten könnte, mit Leib und Seele nicht sich selbst sondern Jesus zu gehören.
Ich denke an die Jünger, die Jesus nachgefolgt sind. Sie lassen alles zurück, ihre Familien, ihren Beruf, ihr bisheriges Leben, um zu Jesus zu gehören. Für die Jünger ist dies kein Schritt in eine Abhängigkeit von Jesus. In aller Freiheit entscheiden sie sich für Jesus. Er wird zu ihrem Lebensmittelpunkt. Er wird ihr Herr, zu dem sie gehören. Die Jünger sind nicht Jesu Besitz, sondern sie orientieren sich an ihm. Und Jesus nimmt sie als die Seinen an. Die Jünger erfahren diese Zugehörigkeit als Lebensgewinn.
So könnte am Rand der Antwort zur Frage 1 des Heidelberger Katechismus auch Lk 9, 23f stehen. Dort heißt es: „Wenn einer mir auf meinem Weg folgen will, verleugne er sich und nehme sein Kreuz auf sich, Tag für Tag, und so folge er mir! Denn wer sein Leben retten will wird es verlieren, wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es retten.”
Nun lese ich die drei Verse aus dem Römer- und Korintherbrief nach und stelle fest, dass sie fast wortwörtlich das ausdrücken, was in der Antwort genannt wird. (Röm 14,8: „Keiner lebt sich selber, wir leben dem Herrn”; 1. Kor 6,19: „Ihr gehört euch nicht selbst”; 1. Kor 3, 23: „Ihr gehört Christus.”). Um zu verstehen, warum Paulus so formuliert, muss man den weiteren Zusammenhang lesen. In allen Fällen geht es um Konflikte zwischen den Menschen. Das Wort von der Zugehörigkeit zu Christus ist als Ermahnung zu verstehen, sich nicht übereinander zu erheben, sondern allein Christus als den Herrn anzuerkennen. In Kor 6,19 erinnert Paulus daran, dass der Körper als Ort des heiligen Geistes Gott gehört und die Men- schen sich dementsprechend sittlich verhalten sollen. Paulus Worte von der Zugehörigkeit zu Jesus Christus sind weniger tröstlich als ermahnend.
Sicherlich gibt es noch andere Bibelstellen, die Ihnen zu dieser Antwort auf Frage 1 des Heidelberger Katechismus einfallen. Diese Bibelstellen können einem helfen, Antworten zu finden. Aber ich glaube, um die Zugehörigkeit zu Jesus Christus und den darin liegenden Trost zu erfahren, muss jeder Mensch ganz persönlich und für sich formulieren, was das für ihn der sie bedeutet.

Quelle: Gemeindebrief Mitte, April 2018. Meike Waechter