Geleitwort des Monats

Juli 2021

Die Worte des Monats geben Halt und informieren Sie über theologische Aspekte. Dieses Mal sind die Worte von Pfarrerin Carolin Springer.

In einem Garten beginnt unsere Geschichte mit Gott. Der Schöpfer schafft, gestaltet, hegt und pflegt, lässt entstehen und wachsen. Auch uns. Ist das nicht eine schöne Vorstellung und ein spannendes Gottesbild: Gott als Gärtner.
Bleiben wir für einen Moment in diesem ersten Garten, in dem alles begann, wie uns die Bibel erzählt. Damals wandelten zwei Menschen mit Gott durch den Garten, den Gott mit viel Mühe angelegt hatte, pflegte und bewahrte. Ach, was muss das für ein Garten gewesen sein, welch Paradies! Quellen sprudelten, die Früchte der Bäume luden zum Kosten ein. Der Baum des Lebens, der Weisheit, der Erkenntnis breitete seine Zweige aus und spendete Schatten. Ein Paradies sollte die Erde sein. Das Paradies sollten die Menschen mit Gott bebauen und bewahren. Doch die Menschen erlagen der Versuchung an Gott und seinem Wort zu zweifeln und sie hintergingen ihn.
Während ich die Schönheit der um mich herum erblühenden Natur, die Schönheit unserer Gemeindegärten bestaune, kommt Dankbarkeit in mir auf. Ja, siehe, es ist sehr gut – Gott schenkt uns so viel. Und schon legt sich ein Schleier auf mein Herz. Denn auch heute machen wir es leider nicht immer gut mit Gottes wundervollem Werk, seiner Schöpfung.
Mit Gott dem Gärtner beginnt unsere Geschichte und es ist sicherlich kein Zufall, dass wir viel weiter hinten in der Bibel dann auch Gottes Sohn als Gärtner entdecken können. In diesem Garten, von dem Johannes schreibt, begegnen sie sich wieder, Gott und Mensch. Der Auferstandene und die Trauernde. Sie sucht dort den Toten und langsam, ganz langsam findet sie das Leben. Es geschieht durch ein Wort. Mal wieder. Ach, diese unglaubliche Schaffenskraft von Gottes Wort: Durch ein Wort entsteht alles Leben und durch ein Wort wird meine Seele gesund.
Jesus spricht: Maria. Und sie erkennt, sie atmet neu auf, sie richtet sich auf, lebt und spricht: Rabbuni – mein Meister! Und es begegnen sich Gott und Mensch im Garten, früh am ersten Tag der Woche, wie es in der Bibel heißt. Diesmal muss sich im Garten der Mensch nicht vor Gott verstecken, voller Scham und Schuldgefühlen. Diesmal folgt auf die Erkenntnis keine Scham, diesmal folgt auf die Erkenntnis Leben, Hoffnung, Trost.
Ach, ich mag die biblischen Gartengeschichten und mir tut es gut, Gott Vater und Sohn als Gärtner zu entdecken. Mir tut die Vorstellung gut, dass Jesus uns im Garten der Welt beisteht. Ich stelle mir vor: Er lockert den harten Boden der Tatsachen, er gräbt sie um, bricht sie auf, holt, was verborgen war, ans Licht, kehrt das Unterste zuoberst. Mit eigenen Händen bereitet er den Boden einer neuen Welt. Jesus gräbt und hackt, jätet und gießt. Mit lehmig-braunen Fingern legt er die Samenkörner in die Erde. Legt Gottes Wort des Lebens und der Hoffnung in die Herzen, in unsere Herzen...

Quelle: Gemeindebrief Berlin-Neukölln, Juni-August 2021. Carolin Springer