Geleitwort des Monats

November 2021

Die Worte des Monats geben Halt und informieren Sie über theologische Aspekte. Dieses Mal sind die Worte von Pfarrer Malte Koopmann.

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. - 2 Thess 3,5

Schon wieder: Auch dieses Kirchenjahr geht zu Ende. Nur noch wenige Wochen, dann bestimmen Themen wie das Gericht Gottes oder Gedanken an das Ende des Lebens, des eigenen wie das geliebter Menschen, unsere Gottesdienste und so manche Stunde eigenen Nachdenkens. Buß- und Bettag, politischer Volkstrauertag, der vorletzte Sonntag zum „Jüngsten Gericht“ und schließlich der letzte Sonntag, der Ewigkeitssonntag: All das keine Termine, die vergnügungssteuerpflichtig sind und so manch einem die schönen Urlaubstage des vergangenen Sommers schnell wieder vergessen lassen, zumal manch einen irgendwie eine unbestimmte Furcht vor der Strafe überfällt, die ihm da vom „Richterstuhl“ her drohen könnte. Ich weiß von meiner Mutter, dass ihre Generation noch mit der Angst vor Strafe erzogen wurde. Auch in der Kirche lief das oft so ab: Das Jüngste Gericht drohte. Sicher lag es noch in weiter Ferne, aber es würde kommen. Und irgendetwas Tröstliches hatte es ganz sicher nicht: „Es wird Heulen und Zähneklappen geben in der Hölle“...
Für die meisten Menschen, nicht nur um uns herum, sondern auch in unserer Gemeinde, hat inzwischen die Angst vor dem Jüngsten Tag ausgedient. Da gibt es ganz andere, viel näher liegende Dinge, die schlaflose Nächte bereiten und Magengeschwüre wachsen lassen. Das reicht von dem Ekel vor der stupiden Alltagsarbeit über die stete Furcht vor der Übergriffigkeit bestimmter Mitmenschen bis hin zur Angst vor Corona und anderen Krankheiten, die Bilder von Qualen voranschicken, ganz zu schweigen von dem, was Menschen unter Verfolgung, Krieg und Vertreibung gezwungen sind, auszuhalten.
Lebensangst: Kein Problem, das nur unsere Zeit beträfe. Mangelndes Gottvertrauen: Nichts, das nur Menschen „draußen in der Welt“ hätten. Offenbar ist es immer ein Teil des Menschseins, wie man durch die ganze Bibel hindurch immer wieder lesen kann. Aber da ist auch zu lesen, dass die Gerechtigkeit Gottes dem entgegen steht. Gerechtigkeit, die zu allererst das Aus-gerichtet-Sein des Menschen auf den Willen Gottes meint, wo „der Wolf beim Lamm“ wohnt und „der Panther beim Böcklein“ lagert (Jes 11,6). Diese Gerechtigkeit hat Gott in Christus Mensch werden, unter uns wohnen, also Teil unserer nicht ausgerichteten Welt werden lassen. Was auch immer und worauf auch immer ein Mensch im Leben wartet: Etwas Besseres, als das Gott ihm begegnet, kann ihm nicht passieren. Und so wünscht Paulus seiner Gemeinde in Thessaloniki aus ganzem Herzen: (2. Thess 3,5) „Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten in Christus.“ Aus ganzem Herzen für die Liebe leben, die keine Grenzen kennt und nicht einmal „das Ihre“ sucht (1. Kor 13): Wer dafür lebt, der begegnet Gott, der uns Menschen nicht nur geschaffen hat, sondern an jedem Tag liebt und mit ihnen lebt. Der wird Gottes lebendige Stimme hören, sein Wort verstehen und erleben können, wie sich das eigene Leben unter Gottes Wort neu aus-richtet, in ganz neue Bahnen göttlichen Friedens geführt wird.
Nach dem Ende dieses Kirchenjahres wird für uns, so Gott will und wir leben, ein neues beginnen. Wir können wieder Advent feiern, wo das Warten auf Jesus Christus zum Warten auf die sichtbare Liebe Gottes wird. Ich freue mich auf diese Zeit, in der ich meine Ausrichtung neu bedenken und mein Lebensziel wieder klarer ins Auge fassen kann. Dann weiß ich wieder besser, wovor ich mich fürchten muss - nämlich Christus im Herzen zu verlieren - und worauf ich mich verlassen kann - nämlich dass mich am Ende Gottes Liebe erwartet, die mich mein Leben hindurch getragen hat. Das macht mich glücklich, nicht nur am Ende und am Anfang des Kirchenjahres, sondern immer. Und indem ich das so schreibe, erhoffe ich: Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten in Christus.

Quelle: Gemeindebrief Hohenbruch-Brandenburg, September-November 2021. Malte Koopmann