Rätsel des Monats

 

Dezember 2018

 

Die Bibel ist ein Buch voll von Geschichten, deren Plotlinien sich in unser kulturelles Gedächtnis eingeschrieben haben. Monatlich möchten wir ihnen ein biblisches Sprachrätsel präsentieren, dass auf eine dieser Plotlinien verweist. Ihre Aufgabe wird sein die Bibelstelle zu finden. Unser Ziel ist es, dass sie mit Spass und Ergeiz ihre detektivischen Fähigkeiten im Buch der Bücher schulen, und durch eifriges lesen der Lösung auf die Spur kommen. Manche der Rätsel werden einfacher sein, da sie sich aus kanonischen Geschichten speißen, aber manche werden auch eine harte Nuss, selbst für Belesene, sein. Natürlich werden wir sie nicht allein lassen und ihnen unter einen kleinen Tipp geben.

Wir wünschen Ihne viel Spaß beim Lesen und Rätseln

Um welche Bibelstelle handelt es sich?

Doppelgebärende in fragwürdiger Frauenwohngemeinschaft haben nach hinterhältigem Säuglingstausch und Infantizid Probleme mit dem Zuspruch des übriggebliebenen Kindes. Intern kann der Streit nicht geschlichtet werden und landet vor dem obersten Richter. Bei ihm sind sie genau an der richtigen Stelle, den er hatte im Kapitel davor bei Gott einen Wunsch frei und wünschte sich "ein Herz, das hört, (..) und unterscheiden kann zwischen Gut und Böse". Dass allerdings sein Schwert das Problem lösen soll erscheint auf den ersten Blick nicht so weise - ist es aber.

Natürlich geben wir Ihnen einen kleinen Tipp.

Die Geschichte findet sich im Alten Testament. Der Richter um den es hier geht, ist nicht unabhängig, sondern der König, und er spricht ein archaisch anmutendes Urteil, aber es ist auch eines der bekanntesten Urteile der Rechtsgeschichte, dass als Prototyp, auch in seiner Begrifflichkeit, des "weisen Urteils" gilt.

Lösung

Das Salomonische Urteil

1. Könige 3, 16-28

16 Damals kamen zwei Huren zum König und traten vor ihn. 17 Und die eine Frau sprach: Bitte, mein Herr, ich und diese Frau wohnen im selben Haus, und in diesem Haus habe ich neben ihr geboren. 18 Am dritten Tag aber nachdem ich geboren hatte, gebar auch diese Frau. Und wir waren zusammen, niemand sonst war bei uns im Haus; nur wir beide waren im Haus. 19 In der Nacht aber starb das Kind dieser Frau, weil sie im Schlaf auf ihm gelegen hatte. 20 Da stand sie mitten in der Nacht auf, nahm mein Kind von meiner Seite, während deine Magd schlief, und legte es in ihren Schoss, ihr totes Kind aber legte sie in meinen Schoss. 21 Und als ich am Morgen aufstand, um mein Kind zu stillen, sieh, da war es tot. Am Morgen aber sah ich es mir genau an, und sieh, es war nicht das Kind, das ich geboren hatte. 22 Die andere Frau aber sagte: Nein, das lebende ist mein Kind, und dein Kind ist das tote. Jene aber fiel ihr ins Wort und sagte: Nein, dein Kind ist das tote, und das lebende ist mein Kind. So redeten sie vor dem König. 23 Und der König sprach: Diese sagt: Dies ist mein Kind, das lebende, und dein Kind ist das tote. Und diese sagt: Nein, dein Kind ist das tote, und mein Kind ist das lebende. 24 Und der König sprach: Holt mir ein Schwert! Und man brachte das Schwert vor den König. 25 Und der König sprach: Schneidet das lebende Kind entzwei, und gebt der einen die eine Hälfte und der anderen die andere Hälfte. 26 Da sagte die Frau, deren Kind das lebende war, zum König, in aufwallender Liebe für ihr Kind sagte sie: Bitte, mein Herr, gebt jener das lebende Kind, nur tötet es nicht! Diese aber sagte: Weder mir noch dir soll es gehören; zerschneidet es! 27 Daraufhin aber sprach der König: Gebt jener das lebende Kind, und tötet es nicht! Sie ist seine Mutter. 28 Und ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie hatten Ehrfurcht vor dem König; denn sie sahen, dass göttliche Weisheit in ihm war, um Recht zu schaffen.

Quelle: Züricher Bibel. Theologischer Verlag Zürich 2008.